In einer Zeit, in der Massenproduktion die Süßwarenindustrie dominiert, zeigt Heimdal Chokolade, dass die besten Dinge oft aus den kleinsten Manufakturen kommen. Hier werden noch jede einzelne Praline, jede Schokoladentafel und jedes süße Meisterwerk von Hand gefertigt.

„Johnny Depp war auch schon hier und mag meine Schokolade.“ Während er das sagt, deutet Morten Arnesen auf ein Foto, das neben ihm an der Wand hängt und den berühmten Schauspieler in der Rolle des Willy Wonka aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“ zeigt.
„Wirklich?“ fragen wir erstaunt.
„Nein“, antwortet der Chocolatier mit einem breiten Lächeln. „Aber er hat mal in einem Film mitgespielt, in dem es um Schokolade geht.“
Nicht nur in besagtem Film spielt Schokolade eine wichtige Rolle, man könnte sie auch als die Hauptzutat von Mortens Leben bezeichnen.
Alles begann mit einem Bäcker in Randers, einer Stadt in Ost-Jütland in Dänemark, der eine Mehlallergie entwickelte. Da dies selbstredend sehr unvorteilhaft für die weitere Ausübung seines Berufes war, musste sich der Bäcker ein neues Standbein aufbauen und wurde ein geschickter Chocolatier. Als sich sein Berufsleben dem Ende zuneigte, machte er sich auf die Suche nach einem Nachfolger für sein Unternehmen. Auf die Anzeige wurde Morten Arnesen, der Spross eines Familienunternehmens für Tortendekoration, aufmerksam. Der Norweger hatte gerade die Schule des berühmten belgischen Schokoladenherstellers Callebaut abgeschlossen und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Und so kam zusammen, was zusammenpasste. Vier Jahre lang lernte Morten bei dem dänischen Schokoladenhersteller und sammelte wertvolle Erfahrung, bevor er 1990 beschloss, mit der gesamten Fabrik zurück in seine Heimat zu ziehen. Nach Norwegen nahm er nicht nur viel Wissen rund um Schokolade und leckere Rezepte mit, er behielt auch den Namen aus Dänemark bei: Heimdal Chokolade.

In der Torvgaten 1, im Zentrum von Arendal, weist ein Schild auf dem Gehweg vor einem rosaroten Haus auf den Verkauf von Schokolade hin. Ein paar Stufen führen hinunter in das Reich vom Heimdal Chokolade. Es ist ein Ort ohne viel Schnickschnack, ein Ort, an dem es einfach um Schokolade geht. Schicke Möbel und aufwendige Vitrinen, in denen die Leckereien präsentiert werden, sucht man vergebens. Die Köstlichkeiten liegen in schlichten Regalen, auf einem Tresen reihen sich in großer Zahl Schokoladentafeln aneinander und im hinteren Bereich stehen weiße Tische, unter denen sich Kartons mit Zutaten stapeln. Obenauf liegen norwegische Erdbeeren mit weißer Schokolade verfeinert, die vor allem in den Sommermonaten sehr beliebt sind. An den Wänden daneben hängen Zettel, voll mit Aufträgen und Bestellungen, die darauf warten, abgearbeitet zu werden. Auf einem seitlichen Tisch steht eine unüberschaubare Anzahl an kleinen Behältern, in denen Bruchstücke der unterschiedlichsten Kreationen darauf warten, probiert zu werden. Morten lädt uns auch sogleich ein, uns zu bedienen, und wir lassen uns nur allzu bereitwillig verführen. Wenig später schmelzen Schokoladenstückchen mit Chili, Cranberries, Limetten, Himbeeren und Nüssen zwischen Zunge und Gaumen. Es duftet nach Nougat, Marzipan, Minze und Cognac, während Maschinen, die unablässig eine zähe braune Creme rühren, für die passende Hintergrundmusik sorgen.

Morten ist immer auf der Suche nach Inspirationen, entwickelt neue Geschmacksrichtungen und erweitert ständig sein Repertoire. Und so finden wir bei ihm auch eine der ungewöhnlichsten Schokoladenentdeckungen der letzten 80 Jahre: die Ruby-Schokolade. Sie wurde durch Zufall von belgischen Kakaoexperten entdeckt und ist neben dunkler, Milch- und weißer Schokolade eine vierte Sorte, die durch ihre außergewöhnliche und namensgebende rubinrote Farbe und einen fruchtigen Geschmack besticht. Die Schokolade wird aus der Ruby-Kakaobohne gewonnen und kommt ohne den Zusatz von Farbstoffen und Fruchtaromen aus.
In einem Nebenzimmer sitzt eine Angestellte, die gerade die leeren Schachteln vor sich mit Pralinen aus weichem Nougat, mit Minze und Mandeln verfeinert, bestückt. Im Lager stapeln sich Säcke mit kleinen Schokoladendrops aus Belgien, Kartons mit Marzipan aus Berlin und allerlei weitere Grundzutaten, aus denen Morten seine Leckereien schafft. Mortens Begeisterung für Fußball lässt sich nicht verbergen. Sein Herz schlägt für die lokalen Vereine und so zieren deren Schals manche Wand und in den Regalen stehen neben Schokobärchen auch Fußbälle zum Naschen. Auch berühmte Persönlichkeiten sind mittlerweile auf seine Schokoladenkreationen aufmerksam geworden und lassen sich zu den unterschiedlichsten Anlässen personalisierte Köstlichkeiten zaubern. Gerade arbeitet Morten an einer Bestellung von Grace Jones und es ist nicht das erste Mal, dass die jamaikanische Sängerin und Schauspielerin sich mit ihren Wünschen an ihn wendet.


Auch wenn sich seine Fabrik an die stetig steigende Nachfrage nach seinen Produkten angepasst hat und im Laufe der Jahre gewachsen ist, so blieb Mortens Arbeitsphilosophie doch gleich: Alles wird von Hand hergestellt und muss sich dem guten Geschmack und seinen Qualitätsansprüchen unterordnen. Heimdal Chokolade verbindet Fabrik und Laden unter einem Dach. Mit seinem Paradies für Schokoladenliebhaber möchte Morten einen offenen Ort schaffen, einen Ort, an dem die Besucher zuschauen können, wie die Produkte hergestellt werden, etwas lernen und natürlich probieren können. Und so ist jede Naschkatze eingeladen, einzutreten und sich verführen zu lassen.



